Freies Feld

Mario & Luigi Superstar Saga

Von JÁNOS MOSER.

Es musste ja so kommen: früher oder später ein Review über ein Mario-Spiel. Doch was heisst Mario-Spiel? Tennis, Kartrennen, Golf, es gibt keine Sportart, die der Klempner noch nicht ausprobiert zu haben scheint – er macht trotz pummeliger Figur einfach nie schlapp. Und nicht nur das: Schon zu Zeiten des Super Nintendo bewies er im in Europa nie erschienen Super Mario RPG, auch in Gefilden heimisch zu sein, die normalerweise langhaarigen Androgynen vorenthalten ist. In manchen Fällen ist es beruhigend, Nintendo als notorischen Wiederholungstäter zu wissen, denn als RPG-Mario schon längst vergessen ist, zaubert der Grosskonzern ein neues RPG hervor. Diesmal mit dem wohlklingenden Titel Mario & Luigi Superstar Saga. Achtung, schreit der Schnellmerker, Luigi ist jetzt ja auch dabei. Ob der Titel sonst auch hält, was er verspricht, sei im Folgenden verraten.

Vorfahren

Mit dem in den Neunzigerjahren erschienen RPG hat der neue Teil nur noch wenig gemein. Zumal er ja auch nicht als Fortsetzung, sondern als eigenständiges Spiel gedacht ist. Die Geschichte dreht sich wie üblich um Prinzessin Peach, die von Bowser – nein! – von einer bösen Bohne namens Lugmilla ins Land der Kichererbsen verschleppt und dort festgehalten wird. Oder doch nicht? Nein: Statt Prinzessin Peach selbst wird diesmal nur ihre Stimme geklaut. Mario und Luigi machen sich also zu den Bohnen auf, um wieder Recht und Ordnung herzustellen. Und wer ist eigentlich dieser idiotische, maskierte Typ, der den beiden ständig in die Quere kommt und verdächtig nach Bowser aussieht? Die Geschichte hält noch einige weitere Überraschungen bereit, die hier nicht alle verraten seien. So viel ist sicher – Mario hat sich noch nie so frisch angefühlt. Das betrifft auch den tollen Humor des Spiels, der vor Slapstick, Sprachwitz und Referenzen auf andere Mario-Spiele nur so sprüht. Metamässig wird über Luigi als „der ewige Zweite“ sinniert oder auf die Veränderung des Block-Designs Bezug genommen (wobei ich nicht einmal ahnte, dass die Blöcke in beinahe jedem Mario-Spiel anders aussehen). Wie in einem RPG üblich führt die Reise über Berge, Meer, in Wälder, Dörfer, Inseln und Universitäten. Was fehlt, ist eine Weltkarte; ähnlich wie in Pokémon ist die Welt in verschiedene Wege und Routen eingeteilt, die Mario mit Luigi im Schlepptau (oder auf Knopfdruck umgekehrt) erkundet. Per A-Knopf springt Mario, mit B sein Bruder in die Luft. Nach und nach meistert oder entdeckt der Spieler verschiedene Team-Fähigkeiten, die ihm helfen, Rätsel in Dungeons zu lösen oder Hindernisse auf der Oberwelt zu passieren. Per „Wirbel“ zum Beispiel springt der eine Bruder dem anderen auf den Kopf und wirbelt die Arme durch die Luft, wodurch grössere Abgründe schwebend überwunden werden. Nach Erhalt zweier Hämmer schlagen sich die Brüder auch mal Gegenseitig die Köpfe ein (was bei Mario zum Schrumpfen seiner Körpergrösse führt – perfekt für enge Durchgänge – oder Luigi in einen „Maulwurf“ verwandelt – so kriecht er unter Zäunen usw. hindurch).

Timing

Kommt man mit einem der überall sichtbar herumwuselnden Gegner in Berührung, ist Kämpfen angesagt. Das zunächst simpel scheinende Kampfsystem ist schwieriger zu beherrschen, als man es von einem Mario-Ableger erwarten würde. Trotz des rundenbasierten Ablaufs ist genaues Timing gefragt, will man die Bruder-Fähigkeiten voll ausschöpfen. Richtig gehört: All die Tricks und Kniffe wie Maulwurf-Luigi oder Wirbel-Mario können auch im Kampf eingesetzt werden. Vorausgesetzt, dem Spieler verbleiben genügend Bruderpunkte („Magie“). Als Heil-Items dienen Nüsse, Sirup oder andere Schmackhaftigkeiten. Segnet einer der Brüder das Zeitliche (Mario: „Mamma mia!“. Luigi: „Noooo!“), schafft der berühmte 1-Up-Pilz Abhilfe. Will man es nicht so weit kommen lassen, ist es nötig, die gegnerischen Attacken, von denen jeder Typus eine eigene hat, genau zu studieren und im richtigen Moment per Sprung auszuweichen oder mit dem Hammer zuzuschlagen. Mit sehr viel Übung liesse sich theoretisch jeder Kampf überstehen, ohne je Schaden zu nehmen – aber ich habe es bis heute nicht geschafft. Was die Bossgegner angeht: Die sind nochmals ein Stück zäher und die Kämpfe gegen die bekommen schon beinahe Action-Feeling. Ein höherer Level lässt einen zwar mehr einstecken, hilft aber nicht viel, wenn man nicht geschickt genug ausweichen kann. Hier ist Mario seinen Jump´n´Run-Wurzeln treu geblieben und Superstar Saga hat für RPG-Verhältnisse so ganz und gar nichts Statisches. Schmerzende Daumen ahoi. Den Endboss finde ich übrigens sauschwer.

Mashup

Das Jump´n´Run´-RPG-Mashup hat leider einen Nachteil: Es ist zu kurz!  Nach wenigen Stunden hat man bereits alles gesehen. Auch ist die Welt relativ klein, sodass man schnell von Punkt A bis B durchgelaufen ist. Die Steuerung ist zudem ein wenig gewöhnungsbedürftig und man benötigt viel Aufwärmzeit, bevor man mit allem vertraut ist. Wer mit diesen kleinen kritischen Einwänden leben kann, wird ansonsten mit Mario & Luigi Superstar Saga nicht viel falsch machen. Es ist wie ein gutes Comicbuch.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 14. November 2012 um 12:27 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „Mario & Luigi Superstar Saga

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