Freies Feld

Mario & Luigi: Dream Team Bros.

Von JÁNOS MOSER.

Der GBA galt zu seiner Zeit als ein portables Super Nintendo – kein Wunder bei der Vielzahl an SNES-Remakes von A Link to the Past über Super Mario World bis hin zu Donkey Kong Country. Dabei geht jedoch oft vergessen, dass die eine oder andere erfolgreiche Spieleserie ihren Ursprung auf dem kleinen Gerät hatte; zum Beispiel die Mario & Luigi-Games. Der erste Teil war ein exzellenter Überraschungshit. Angelehnt an das von Square entwickelte Super Mario RPG: Legend of the Seven Stars vereinte das Spiel den typischen Mario-Hüpfspass und RPG-Traditionen, konnte sich von seinem inoffiziellen Vorgänger jedoch durch viele eigene Konzepte und einen unverkennbaren Stil abheben. Zufallskämpfe als dynamische Geschicklichkeitstest, Paar-Aktionen, viel Humor – das Konzept ging auf und so ist die Serie mittlerweile auf ganze fünf Teile angewachsen. Konnten die Spiele das Niveau über die Jahre halten oder ist mit dem vierten Teil – Mario & Luigi: Dream Team Bros. (2013) – die Luft langsam draussen?

Besuch auf La Dormita

Gleich geblieben ist auf jeden Fall der Aufbau der Geschichte. Prinzessin Peach und Anhang werden zu einem Staatsbesuch auf der Insel La Dormita eingeladen. Dort leben das (etwas uninspirierte) Block-Volk und die sogenannten Kisse, eine antike Zivilisation, bestehend aus – lebendigen Kissen. Jedenfalls geht bald darauf alles schief, Bowser und ein Fledermausvieh namens Antasma tun sich zusammen und terrorisieren die Insel. Logischerweise wird dann auch Peach entführt. So weit, so gut. Um die Fieslinge zu stoppen, müssen Mario und Luigi die in Albtraumsplittern gefangenen Kisse befreien, indem sie zwischen Wach- und (Luigis) Traumwelt hin- und herreisen. Während die Wachwelt aus der serientypischen Vogelperspektive gespielt wird, besteht die Traumwelt aus 2D-Abschnitten, in denen leichte Rätsel zu lösen und Gegner zu bekämpfen sind. Da sich das Geschehen innerhalb Luigis Kopf abspielt, kann die Traumwelt auf verschiedene Arten manipuliert werden. Auf dem oberen Bildschirm hüpfen Mario und (Traum)Luigi über Plattformen, auf dem unteren bringt man den schlafenden Luigi zum Niesen oder zieht ihm am Schnurrbart, um Effekte wie Windstösse oder Gravitationsveränderungen hervorzurufen. Das klingt zunächst alles ziemlich spassig, ein wenig wie die Traumgänge Alundras, stellt sich jedoch bald als ziemlich langweilige Plackerei heraus. Da die Traumwelt-Abschnitte beinahe keine Herausforderung darstellen – weder was Geschicklichkeit noch Grips anbelangt – wird die gefühlte Hälfte des Games zu einer Routineübung, die schnell an Reiz verliert. Trotz der vielen Formen, die Luigi (bzw. viele Luigis) in der Traumwelt annimmt, hat man zuweilen den Eindruck, ein Mario & Donkey Kong zu spielen, nur ohne knackige Rätsel und Einfälle. Und ohne Donkey Kong. Warum hat man sich kein Vorbild an 2D-König Super Mario World genommen?

Tutorials

Die Wachwelt bietet wie erwähnt die gewohnte Mario & Luigi-Kost. Doch auch hier macht sich schleichend Langweile bemerkbar: Die meisten Fähigkeiten scheinen nur eine Abwandlung aus den früheren Teilen zu sein und auch die Oberwelt bietet keine grossen Überraschungen. Zudem haben die Blockianer und die Kisse einfach nicht mehr das Flair, das die Bewohner des Bohnenlandes oder die Aliens aus Teil 2 boten. Apropos Teil 2: Auf die Babyversionen der schnauzbärtigen Brüder hat man diesmal verzichtet – eine weise Entscheidung, wenn man die überladene Steuerung von damals bedenkt. Ersatz bieten diesmal zwei Helfer-Charaktere, die man zwar nicht steuern kann, die jedoch fast die Hälfte des Spiels – und das ist keine Übertreibung – damit verbringen, einem Tutorials um die Ohren zu schlagen. Nach wenigen Spielminuten hat man die ständigen Erklärungen so satt, dass man sie nur noch ungeduldig über sich ergehen lässt. Immerhin hat die Erklärungswut eine gute Seite: Die nach und nach einsammelbaren Team-Attacken, deren richtiges Timing man früher unter Verlust wertvoller HP trainieren musste, kann man nun in einem Übungsmodus gefahrlos meistern. Ansonsten bietet das Game all jenen Komfort oder eben Fluch, den moderne, für ein junges Publikum zugeschnittene Spiele mit sich bringen. Gespeichert werden kann jederzeit – wozu es dann noch die Speicherblocks braucht, erschliesst sich nicht – und selbst wenn man mal einen Kampf verlieren sollte, steht die Option zur Verfügung, ihn neu zu starten. Besonders lästig wird das Helfersyndrom der Entwickler da, wo man eigentlich spannende Kämpfe zu bestehen hätte – manche Bossfights bestreitet man mit einem ins Riesenhafte gewachsenen Giganto-Luigi – diese aber ebenfalls bis ins kleinste Detail zerlegt und erklärt werden. So werden genau dort Punkte verschenkt, wo es doch endlich einmal spannend würde.

Anderer Einstieg

Mario & Luigi: Dream Team Bros. ist dem Schicksal vieler Game-Serien gefolgt: Was früher frisch und neu war, wird allmählich zur Routine. Ähnlich wie die Zelda-Spiele hat Dream Team Bros. ein eigenes, übergeordnetes Gameplay-konzept, mit dem es sich von seinen Vorgängern abzuheben versucht. Dieses Mal sind es nun eben Traumreisen. Obwohl auch das nichts Neues ist, wären die Grundlagen für ein spannendes Spiel auf jeden Fall da. Leider schafft es Nintendo diesmal trotzdem nicht, ein kurzweiliges Vergnügen daraus zu machen – darin sind die Entwickler nämlich normalerweise Meister. Ob es daran liegt, dass die Traumwandeleien tatsächlich nichts bieten oder dass es ihrer einfach zu viele sind – nun, wer ein Spiel mit derselben Thematik sucht, dem sei Alundra für die PS1 wärmstens ans Herz gelegt. Wer indes trotzdem in die Mario-Serie einsteigen möchte, spielt am besten den ersten Teil.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 19. September 2016 um 14:09 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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