Freies Feld

Fire Emblem 7

Von JÁNOS MOSER.

2004. Ein gutes Jahr. Ich besuchte noch die Schule, war hier und da, tat allgemein dies und jenes. Wenn es aber eines gab, woran ich mich erinnere, ist es mein GBA, der mich überallhin begleitete. Das Gerät steckte in der Blütephase, praktisch monatlich erschien ein gutes Game und es gab viel, woran man sich sattsehen, -hören und vor allem -spielen konnte. Zu den absolut grossartigen Spielen, die damals für das Handheld erschienen, zählte auch Fire Emblem 7: Blazing Sword, in Europa schlicht genannt „Fire Emblem“. Es war überhaupt der erste FE-Teil, der ausserhalb Japans erschien, und so durften sich GBA-Besitzer ausserordentlich glücklich schätzen. Schon sieben Teile, und noch nie etwas davon gehört? Bei den Lokalisationsgewohnheiten der japanischen Entwickler leider Standard, wenn auch nicht nachvollziehbar. Darum sei dem Review eine kleine Einführung vorangestellt.

Vorgeschichte

Die Serie „Fire Emblem“ nahm ihre Anfänge wie so viele heute erfolgreiche Spieleserien auf dem NES, in Japan genannt „Famicom“. In dem rundenbasierten Strategiespiel galt es, gegen Feinde auf einem schachbrettartig aufgebauten Schlachtfeld anzutreten. Zug um Zug wurden Einheiten vorgerückt, zurückgezogen oder strategisch platziert. Ziel dieser Schlachten war es meist, die gegnerische Burg einzunehmen oder den Kommandanten der feindlichen Armee auszuschalten. Kennt man alles, wenn man sich ein bisschen mit Strategiespielen beschäftigt. Das Besondere an Fire Emblem jedoch waren die Truppen: nicht nur war es ihnen möglich, im Level zu steigen, sondern sie stellten auch mehr oder minder ausgearbeitete eigene Persönlichkeiten dar. Hauptprotagonist des ersten Teils war beispielsweise Marth, blauhaariger Königssohn oder auch „Lord“ – also ein Held, wie man ihn beispielsweise in einem RPG finden könnte. Und tatsächlich ist es genau diese Mischung aus RPG und Strategiespiel, welche die Serie seit ihren Anfängen ausmacht. Spätestens in den SNES-Teilen konnte dann auch von einer ansprechenden Story die Rede sein. „Fire Emblem“-Geschichten drehen sich meist um politische Verwirrungen und damit auch von Verrat, Liebe, Hass usw., alles, was ein RPG eben so mit sich bringt. Das klingt nach vielen Gesprächen zwischen und in den Schlachten, und es ist auch so: Fire Emblem-Charaktere reden viel; sind aber nie belanglos. Immer wieder kommt es vor, dass man gespannt ihrem Zwist lauscht und wissen möchte, wie es denn nun weitergeht. In der Schlacht selbst können sodenn auch feindliche oder neutrale Einheiten dazu überredet werden, sich der eigenen Truppe, bestehend aus 15 oder mehr Leuten (die auf der „Ersatzbank“ nicht hinzugerechnet), anzuschliessen.

Das Spiel

An diesem Konzept hat sich auch beim siebten FE-Teil nur wenig geändert. Wir haben eine stark erweiterte RPG-Heldentruppe, die gegen böse Königreiche in die Schlacht zieht. Diesmal stehen einem drei Lords zur Verfügung: Hector, Lyndis und Eliwood. Jeder der drei besitzt seine eigene Kampagne, wobei Lyndis’ Kampagne als Einstieg bzw. Als Tutorial dient. Dies ist auch bitter nötig, denn die auf den ersten Blick einfachen Schlachten haben es in sich. Stirbt nämlich einer der Charaktere, ist es aus. Er ist und bleibt tot und kann auch in späteren Schlachten nicht „wiederbelebt“ werden (Ausnahme: das Tutorial als Schonfrist). Stirbt gar einer der Lords, ist die Schlacht endgültig verloren und muss wieder von vorne begonnen werden. Was das heisst? Mindestens eine Stunde verlorengegangene Spielzeit, wenn nicht mehr. Klingt unglaublich bitter; kann aber für Spieler, die eine Herausforderung suchen, umso besser sein. In der Tat scheint dieses „endgültige Sterben“ wie eine einzige Tortur, der Frust kann jedoch mit einigem Know-How stark vermindert werden. So unerbittlich die KI der gegnerischen Armee ist – sie greift immer die schwächsten Gruppenmitglieder an – das Spiel ist nie unfair und mit ein wenig Vorsicht und Bedacht im Umgang mit den Einheiten gut zu meistern. Hat man einmal begriffen, die schwachen Charaktere nicht zu weit vorrücken zu lassen (notfalls kann man sie auch „retten“), gestalten sich die meisten Schlachten recht spassig. Wie seit dem ersten FE-Teil gilt es, eine Burg (oder einen Thron) einzunehmen, oder aber alle Gegner zu vernichten oder einfach für ein paar Runden zu überleben. Das Kampfsystem gestaltet sich quasi nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip. Lanze schlägt Schwert, Schwert schlägt Axt und so weiter. Speziell sind auch die sogenannten Charakterklassen. Ritter können ab Level 10 zu Rittermeistern emporsteigen, dasselbe gilt für Pegasus- oder Wyvern-Ritter, Söldner, Diebe, Piraten und andere. Dazu werden seltene Insignien wie ein Ritterwappen oder eine Elysium-Peitsche benötigt. Oft findet man solche Gegenstände in Häusern, Shops oder Schatzkisten – Final Fantasy lässt grüssen. Highlight: selbst die Lords können ab einem bestimmten Punkt im Spiel aufsteigen und nahezu übermächtig werden (besonders, nachdem man sie in der Arena trainiert hat). Und nicht nur das: die erstaunlich gut entwickelten Charaktere können als Bonus sogenannte „Unterstützung“ durchführen. Soll heissen: stellt man einige Runden lang zwei Charaktere nebeneinander, zwischen denen eine Beziehung besteht (bzw. zwischen denen es vielleicht sogar „funken“ könnte), können sie manchmal Konversationen starten, die oft witzig anzuhören sind und auch Einiges über ihre Persönlichkeiten verraten. Arenen, Schätze, Händler, Konversationen – all diese Aktionen, die auf dem Schlachtfeld ausgeführt werden können (und müssen), machen das Spiel sehr komplex und tiefgründig. Hinzu kommt eine erwachsene Fantasy-Story mit so einigen spannenden Wendungen, von der ich aber nicht zu viel verraten möchte. Für ein GBA-Spiel ist die Atmosphäre unglaublich dicht und lässt einen nicht mehr los. Grund dafür ist – neben der Story – wohl nicht so sehr die schlicht gehaltene Grafik, sondern die Musik: ca. 100 Stücke haben es ins Spiel geschafft. Nach und nach merkt man zudem, wie viele Details die Entwickler in das Spiel gesteckt haben: sogar ein „Stratege“, also der Spieler selbst, ist in die Geschichte mit eingebunden, indem er quasi mit der Truppe „mitreist“ und ihnen unterstützend zur Seite steht. Ab und zu wenden sich die Charaktere mit verschiedenen Bitten an den „Strategen“ und geben ihm so ein Gefühl des vollständigen Eintauchens im Spiel:

Fazit

Man braucht es wohl nicht mehr von den Dächern zu schreien: Fire Emblem ist eines der besten GBA-Spiele, die je erschienen sind. Es mag Frustmomente beinhalten sowie kleinere Schwächen, aber diese werden mehr als genug durch die strategische Tiefe und die spannende RPG-Story ausgeglichen und sogar überflügelt. FE7 ist und bleibt eine der besten Mischungen aus Strategie- und Japano-Rollenspielen, die ich kenne, und das wird auch für lange Zeit so bleiben. Auch wenn seit 2011 eine PS3 bei mir zu Hause rumsteht, greife ich immer wieder gerne zu dieser Spieleperle und begleite Lyndis, Eliwood und Hector durch zahlreiche Scharmützel.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 20. August 2012 um 09:08 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

3 Gedanken zu „Fire Emblem 7

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