Freies Feld

Chrono Trigger

Von JÁNOS MOSER.

Lang ist´s her und doch so kurz. 1994 erschien in Japan und in den USA ein Rollenspiel namens Chrono Trigger. Darüber zu schreiben, ist eine ähnlich schwierige Aufgabe wie über FF6, das zusammen mit jenem Spiel über alle Masse gelobt wurde und bis heute zu den beliebtesten J-RPGs zählt – entsprechend viel wurde schon darüber gesagt. Das zu jener Zeit sehr fortschrittliche Spiel brachte entscheidende Neuerungen in den durch Zufallskämpfe dominierten japanischen RPG-Markt. Darum – aber nicht nur – zählt es zu den erstaunlichsten Rollenspielen, die jemals für eine Konsole erschienen sind. Was Chrono Trigger sonst noch so besonders macht, erfahrt ihr hier.

Reibeisen und Zeitreisen

Held der Geschichte ist Rotschopf Crono, der wie die anderen Charaktere aus der Feder des Manga- und Animézeichners Akira Toriyama (Dragonball, Dr. Slump) stammt. Auf einer Jubiläumsfeier trifft er die aufgeweckte Marle, eine entlaufene Königstochter, und seine Kumpelin Lucca, die ihre neuste Erfindung – eine Teleportationsmaschine – ausstellt. Wie es der Zufall will (oder meinetwegen die Entwickler), drängt Lucca Marle dazu, die Maschine auszuprobieren. Leider geht etwas schief und sie verschwindet von einem Augenblick auf den anderen. Crono hastet ihr hinterher – und siehe da, der Teleporter stellt sich als Zeitmaschine heraus. Wir landen im Jahr „600 A.D.“, im Mittelalter der Chrono Trigger´schen Zeitrechnung. Was nun? Crono beschliesst, Marle zu suchen, und findet dabei nicht nur weitere Zeitebenen (Zukunft, Steinzeit), sondern auch einen dunklen Magier namens Magus, der mithilfe eines Riesen-Weltraumparasiten „Lavos“, der unter der Erdkruste schläft, die Weltherrschaft an sich reissen will. Nur gut, ist Crono nicht allein: Charaktere wie Frog, der Froschritter, Robo der Roboter, Lucca die Erfinderin, oder die bärenstarke Ayla, Oberhaupt eines Steinzeitstammes (mein Lieblingscharakter) begleiten ihn im Kampf gegen das Böse.
Die Geschichte an sich ist nichts Neues. Das ist auch nicht das Spektakuläre an Chrono Trigger. Neu hingegen war die Art, in der die Zeitreise im Spiel integriert wurde. Ab einem bestimmten Punkt im Spiel nämlich kann man mithilfe eines Flugzeuges beliebig zwischen den Zeiten hin und herwechseln. Wenn man will, direkt vor die Schnauze des Endbosses (der irgendwann zwischen 1000 A.D und 2300 A.D. aus der Erdkruste hervorbricht). Mit genug Training und Geschick ist es also sogar machbar, ihn zu besiegen, bevor ein Grossteil der Story stattgefunden hat. Das Spiel belohnt diese Waghalsigkeit mit einem neuen Ende. Somit erlebt man je nachdem, zu welchem Zeitpunkt bzw. in welcher Epoche man Lavos besiegt, einen leicht anderen Ausgang der Geschichte. Insgesamt gibt es sage und schreibe 15 verschiedene Enden. Wer aber nun glaubt, das Spiel auch 15 mal mühsam erdulden zu müssen, um alles zu sehen, irrt. Eine praktische „Game+“-Option ermöglicht es, mit fortgeschrittenem Level und Ausrüstungsgegenständen zu beginnen, sodass man einem Grossteil der Kämpfe getrost umgehen kann.

Kampf und Gedränge

Die Kämpfe sind eine weiterer, innovativer Punkt an Chrono Trigger. Ist es in anderen alten J-RPGs üblich, alle paar Schritte einen Zufallskampf aufgehalst zu bekommen, sind die Gegner hier meist sichtbar und können je nach Lust und Laune auch umgangen werden. Nach wie vor gibt es zwar viele Situationen, in denen einem die Kämpfe aufgezwungen werden (in dem die Monster aus Büschen springen u.ä.), aber ein kleiner Schritt in eine andere Richtung wurde zumindest gewagt. Man denke an FF6: Dort war es erst ganz am Schluss möglich, durch ein spezielles Item die Kämpfe auszuschalten. Das Kampfsystem ist so simpel wie linear, macht dennoch Spass: Mit steigendem Level lernen die Charaktere, denen jeweils ein Element wie Feuer oder Eis zugeordnet ist, entweder stärkere Einzelattacken oder Team-Kombo-Attacken. Die haben es in sich: je nach Charakterkombination sehen die Attacken anders aus und verbrauchen unterschiedliche Mengen an Aktionspunkten. Crono und Frog beispielsweise sind ab einem bestimmten Level in der Lage, die „X-Attacke“ auszuführen. Ihre Klingen bilden ein „X“, das über dem Gegner niederfährt und beträchtlichen Schaden anrichtet. Oder Ayla und Marle werfen schon mal Eisblöcke auf ihre Feinde. Bei 6 Charakteren und mehreren Attacken pro Charakter gibt es eine befriedigende Viefalt an Angriffen. Umso schöner: Das Spiel wechselt nicht jedes Mal in einen Extra-Kampfbildschirm. Alles Geschehen spielt sich in der Vogelperspektive ab, garantiert ohne Ladezeiten. So mögen wir´s.

Kunst und Klänge

Zu den üblichen Verdächtigen: Grafik und Sound. Unglaublich, aber wahr: Chrono Trigger ist sogar noch besser gealtert als FF6. Die Animationen der Charaktere sehen einfach schick aus und da sind all die Details in der nach bester Pixel-Art gemalten Umgebung. Die Musik erreicht nicht ganz die Höhen von anderen japanischen RPGs, lässt sich aber durchaus hören und ist eine von Yasunori Mitsudas frühen Arbeiten (gemeinsam mit Altmeister Uematsu). Das Spiel wurde später für den Nintendo DS umgesetzt, und auch bei jener Version werden zum Glück keine Abstriche gemacht. Zudem hat die DS-Version zusätzlich eine Touchscreen-Steuerung verpasst bekommen, diese kann aber vernachlässigt werden. Am besten steuert man ein RPG immer noch mit dem Steuerkreuz.
Gibt´s nach all der Lobhudelei auch Negatives? Das gibt es – bei welchem Spiel schon nicht? So gut die Entwickler die Zeitreise-Thematik umgesetzt haben, so ganz fehlerfrei ist sie nicht. Während am Anfang, dem stärksten Teil des Spiels, noch davon die Rede ist, dass gewisse Personen verschwinden, wenn sie in der Vergangenheit sterben, wird dieses Versprechen später ausgehebelt. Ohnehin wird es wohl nie ein Zeitreise-Spiel, -Buch oder einen –Film geben, der bis ins letzte Detail logisch und konsequent aufgebaut ist. Um darüber zu debattieren zu können, müsste man sich wohl Antworten aus dem Bereich der Physik holen. Darin bin ich jedoch schlechter bewandert als ein Ameisenbär im Skydiving. Ein zweiter Punkt betrifft die Charaktere. Sie sind farbenfroh, cool und liebenswert, nur tiefer sollten sie sein. Hie und da mal kurz ein Trauma auf´s Stereotyp zu klatschen, reicht einfach nicht mehr. Ansonsten: uneingeschränkte Spielempfehlung!

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 23. Oktober 2012 um 00:27 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

3 Gedanken zu „Chrono Trigger

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