Freies Feld

Inversion

Von JÁNOS MOSER.

Im Third-Person-Shooter Inversion (2012, PS3, XBox 360, PC) von Saber Interactive überfallen Aliens die Erde. Diesmal begnügen sie sich nicht nur damit, ein paar Häuser in Schutt und Asche zu legen, sondern verschleppen auch noch unschuldige Kinder und versklaven deren Väter, um sie zu willenlosen Zombies zu erziehen. Ausserdem stellen sie die Gravitation auf den Kopf und lassen den Hauptcharakter auf dem Cover wie eine Spinne an der Wand kleben. Was da genau abläuft? Finden wir es heraus.

Hirnlos

Im Spiel schlüpfen wir in die Rolle von Dave, einem muskulösen Polizisten, der gemeinsam mit seinem ebenso durchtrainierten Partner durch Vanguard streift, eine fiktive amerikanische Grossstadt. Auf dem Weg zu Frau und Kind gerät er, mitunter der ganze Planet, in Schwierigkeiten. Glatzköpfige Bodybuildertypen rennen in voller Kampfmontur durch die Strassen und schiessen auf alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Haudrauf-Kerl Dave und sein Kumpel schnappen sich also schnell ihre Waffen und ballern die Fieslinge über den Haufen. Damit hat sich die ganze Sache auch schon erklärt – viel mehr als Ballern wird man in Inversion nämlich nicht tun. Bald stellt sich heraus, dass die Invasoren eine seltsame Macht kontrollieren, welche die Schwerkraft durcheinanderbringt. Ihre Waffen lassen Gegenstände in die Luft schiessen oder nageln sie am Boden fest. Autos fliegen durch die Gegend, die Wände von Wohnblocks verwandeln sich in begehbaren Grund und Boden. Offenbar steckt da eine Teufelei dahinter, die – so ganz wird man das nie erfahren. Inversion geizt nicht mit Waffen, dafür mit Hintergrundinformationen. Was wollen diese Aliens eigentlich? Wozu brauchen sie die Kinder? Warum versklaven sie die Männer? Haben die Frauen zu wenig Sex-Appeal? Und wonach suchen sie in diesem Bergwerk? Jedenfalls begibt sich Dave (von seinem Kumpel ohne Wimpernzucken „D“ genannt) auf die Suche nach seiner verschwundenen Tochter. Sein selbstloser Partner hilft ihm dabei und stellt sich mehr oder weniger geschickt an. Inversion hat viel unfreiwillige Komik zu bieten. Deadly Premonition machte es vor, das hier ist nochmals Trash der ganz eigenen Art. Nicht nur die sinnfreien Dialoge der Hauptfiguren, auch die Auftritte der Army lassen jeden Fan des schlechten Geschmacks aufhorchen. Manchmal hat man richtiggehend Mühe, nicht in lautes Gelächter auszubrechen. Wenn die beiden Polizisten über die feindlichen „Brutes“ philosophieren und selbst welche sind, zum Beispiel. Oder wenn sie Vermutungen anstellen über Dinge, die längst klar vor Augen liegen (you don’t say?). Die Geschichte und alles drum und dran ist, wenn sie nicht gerade verwirrt, vorallem eines – hirnlos. Wie beim Trash üblich, kommt man von dieser zelebrierten Hirnlosigkeit aber einfach nicht los und verflucht sich dafür.

Knarren und Klone

Der Hauptaspekt des Games wurde ja schon abgedeckt. Wie üblich greift man beim Ballern auf zwei unterschiedliche Waffen und Granaten zurück. Man sucht Deckung und lockt die Gegner aus derselben, indem man den Gravlink auf sie verschiesst. Wie die Gravity Gun oder die Singularity ist diese Waffe der Aufhänger des Spiels. Viel mehr als Dinge schweben und sinken lassen kann sie aber auch nicht. Nach einigen Verbesserungen schiesst sie Autos oder grosse Felsbrocken durch die Luft, das ist jedoch das höchste der Gefühle. Was Inversion besonders macht, sind die Ausflüge in den schwerelosen Raum. Diese sind nicht auf dem Niveau von Dead Space 3, aber bringen zumindest Abwechslung rein. In diesen Abschnitten hangelt man sich von Hindernis zu Hindernis und schiesst auf die ebenfalls umherschwebenden Gegner. Entgegen der Hoffnungen bleibt die Bewegungsfreiheit auch hier etwas eingeschränkt. Der wirkliche Star von Inversion ist allerdings die Inception-eske Umkehrung der Raumverhältnisse. Was vorher die Decke war, wird nach dem Eintritt in einen Transportbeam zum Boden, die Wand wird zur Decke usw. Quasi kopfüber rumhängend bestreitet man so intensive Gefechte mit zahlreichen Gegnern. Schade, kommen diese Abschnitte zu kurz, man hätte ruhig doppelt so viele einbauen können. Ziemlich enttäuschend indessen sind die Bosse ausgefallen. Davon gibt es etwa drei bis vier Stück im Spiel, und diese bekämpft man mehrere Male. Nach dem jeweils dritten Mal wird es auch dem grössten Shooterfreund einfach zu langweilig. Es gibt übrigens eine Online-Multiplayer-Möglichkeit, diese wurde jedoch aufgrund der ohnehin relativ eintönigen Koop-Aufgaben im Singleplayer (Räuberleiter, Tür zu zweit eintreten …) nicht in Angriff genommen.

Fazit

Inversion ist hirnlos. Ob hirnlos schlecht oder hirnlos gut, ist eine Frage des Anspruchs. Wer einen Shooter für Zwischendurch spielen und dabei nicht viel überlegen will, trifft mit dem Game sicher keine schlechte Wahl. Die Helden sind Schablonen, die Aliens einfach nur dumm und die Story jenseits von Gut und Böse. Wer allerdings auf mehr hofft, wird nicht nur vom Setting und Szenario, sondern auch vom Gameplay enttäuscht sein, das nach ein paar Stunden ziemlich eintönig wird.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 25. August 2014 um 11:37 veröffentlicht. Er ist unter Reviews, Uncategorized abgelegt und mit , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

Ein Gedanke zu „Inversion

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