Freies Feld

Final Fantasy III

Von JÁNOS MOSER.

Das Final Fantasy III-Revival liegt ja schon ein paar Jahre zurück: Das NES-Original von 1990 kam vor neun Jahren in aufgemotzter 3D-Grafik auf den DS (und damit erstmals in den Westen), 2012 erhielt das Game nochmals eine dezente Frischzellenkultur für Android und co. Weshalb ich erst jetzt dazu kam, das DS-Game durchzuspielen, liegt ganz einfach am horrenden Schwierigkeitsgrad, an dem seit NES-Tagen offensichtlich nicht viel geschraubt wurde. Nach knapp 40 Stunden ist jetzt aber der letzte Boss besiegt und die Welt gerettet. Hat sich das stundenlange Aufleveln gelohnt oder ist FF III nur etwas für eingefleischte Final Fantasy-Fans?

Jobsystem

Die ersten beiden Teile – die übrigens ebenfalls zigmal neu aufgelegt wurden, u.a. als Dawn of Souls auf dem GBA – boten unterschiedliche Kost. Während man beim ersten FF-Teil seine Truppe ganz simpel aus den Klassen Schwarz- oder Weissmagier, Krieger oder Dieb usw. zu Beginn des Spiels zusammenstellte, basierte das Kampsystem von FF II auf den Aktionen des Spielers; je nachdem, ob man die Charaktere mehr angreifen oder zaubern liess, verbesserten sich ihre Werte. Das sollte dem Spieler etwas Freiheit gewähren, ging aber, wie wir wissen, mächtig in die Hose. FF III schien nun die Fehler des Vorgängers wieder gutmachen zu wollen und stellte einen Kompromiss zwischen dem ersten und zweiten Teil dar. Das berühmte Jobsystem, das für spätere FFs übernommen wurde, feierte hier seinen Einstand. Neu konnte der Spieler zwischen rund zwanzig Jobs wählen. Diese wurden nicht wie in Teil 1 zu Beginn festgelegt, sondern konnten nach und nach freigeschaltet und während des Spielverlaufs beliebig oft gewechselt werden. Je nachdem also, welchen Spielstil man hatte, konnte man seine Party nach Lust und Laune immer wieder neu zusammenstellen. Dieses System wurde für das DS-Remake eins zu eins übernommen. Klingen tut es ganz toll – aber ob es in heutigen Verhältnissen noch zeitgemäss ist?

Die Tücken des Kampfes

In FF III steckte das Jobsystem noch in den Kinderschuhen, und das merkt man nach wenigen Spielstunden FF III DS leider ziemlich schnell. Wer darauf hofft, einen schwertschwingenden Schwarzmagier mit Klaufähigkeiten heranzuzüchten, wird leider enttäuscht. Zwar gewähren einem die Kristalle, die es wie in jedem alten Final Fantasy zu retten gilt, stets neue Jobmöglichkeiten, aber es gibt keinen triftigen Anreiz, ihn zu wechseln. Der Grund dafür ist einfach: Die Fähigkeiten des „alten“ Jobs können partout nicht übernommen werden. Sprich, wenn ich meinen Schwarzmagier zum Schwertkämpfer mache, muss der Magier eben das Schwert schwingen und kann seine Zauber nicht mehr einsetzen. Zum Vergleich FF V: dort konnte man einmal gemeisterte Spezialkommandos wie „Stehlen“ (Dieb) oder „Sprung“ (Dragoon) jederzeit ins Kampfmenü des Charakters einfügen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind so in FF III trotz der vielen Auswahlmöglichkeiten ziemlich beschränkt. Eine weitere Unsinnigkeit ist, dass der Spieler für einen Jobwechsel „bestraft“ wird, da nach jedem Wechsel mehrere Kämpfe nötig sind, um die Stats auf Normallevel zu bringen. Einige Jobs stellen auch lediglich Weiterentwicklungen eines anderen dar und sind nicht wirklich lohnenswert. Zuletzt dürfte ein Ottonormalspieler in einem Durchgang nicht mehr als 2-3 Jobs pro Charakter vernünftig aufleveln können, was wiederum dazu führt, dass man einen Grossteil des Spiels lieber im selben Job bleibt. Ein hohes Level ist auch bitter nötig, um die Bosse zu knacken. Das Balancing des Games ist nämlich zum Teil fragwürdig: So kann eine nur 1-2 Level zu schwache Truppe sofort ausgelöscht werden, während das Ganze 2-3 Level höher plötzlich kein Problem mehr darstellt. NES-typisch gibt es übrigens auch keine Speicherpunkte in den Dungeons, also wenn man draufgeht, heisst es kompletter Neustart (viel Spass beim Kristallturm).

Simple Geschichte

Final Fantasy III DS besteht aber natürlich aus weit mehr als seinem rundenbasierten Kampfsystem. Die Grafik wurde für das DS-Remake wie erwähnt rundum in 3D erneuert und ist für einen Handheld-Titel wirklich hübsch anzusehen. Statt Kopffüssler begleitet man nun niedliche Chibi-Charaktere über die Weltkarte, die Animationen der Monster im Kampf gleicht den PSX-Teilen. Damit einher geht auch, dass die Action auf dem Bildschirm schon etwas langsamer abläuft, als man es von den 2D-Teilen gewohnt ist. Das kann bei der Vielzahl der Zufallskämpfe schon mal zu Frust führen, zumal das Game sehr grindlastig ist. Entsprechend sollte man sich gefasst machen, an mindestens 3-4 Stellen im Spiel für ein paar Stunden einfach im Kreis zu rennen und Monster zu bekämpfen. Wer darüber hinwegsieht, wird mit einem klassischen Final Fantasy-Erlebnis belohnt. Vor dem dramatischen Sprung, den die Reihe ab Teil 4 in Sachen Storytelling machte, war FF III noch herrlich simpel: Vier Krieger des Lichts sind dazu auserwählt, die Welt zu retten, und treffen dabei auf eine Vielzahl von relativ unwichtigen Charakteren und Dorfbewohnern, die einem spärliche Hinweise darauf geben, wohin es denn als nächstes gehen sollte. Zu Fuss, per Chocobo oder Luftschiff – in FF III gibt es wirklich viele Luftschiffe – erkundet man die Weltkarte und durchforstet Dungeons nach Schätzen. Eine Story ist praktisch nicht vorhanden. Trotzdem haben es die Entwickler geschafft, einen tollen Plottwist inklusive Sense of Wonder einzubauen, der mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird.

Musik

 des Grossmeisters

Über Final Fantasy zu schreiben, ohne die Musik zu erwähnen, ist, als würde man Pasta ohne Sauce essen. Wie schlägt sich der wohl berühmteste Videospielkomponist Uematsu im 3D-Remake? Halt – die Melodien waren ja auf dem NES schon da, sie wurden vom Entwicklerteam lediglich neu arrangiert, worüber Uematsu die Oberaufsicht hatte, oder so ähnlich. Wie genau seine Rolle dabei aussah, lässt sich nicht sagen, wohl aber, dass die Arrangements es in sich haben. Abgesehen von einem oder zwei Kampfthemen wurde die Qualität der Stücke allesamt verbessert. Da klingen mehr Instrumente – und vor allem Instrumente! – und Chöre aus den DS-Lautsprechern. Über die Melodien selbst lässt sich streiten. Offensichtlich ist, dass Uematsu hier noch nicht die Genialität erreicht hatte, für die er später bekannt wurde. Keines der Lieder, ausser dasjenige der Oberwelt, bleibt so richtig im Ohr hängen. Trotzdem hat es echt starke Stücke darunter: Battleship Invicible, Boundless Ocean, Hidden Land Eureka, Crystal Tower, um nur einige zu nennen. Noch haben wir nicht mit dramatischer Tiefe zu rechnen – trotzdem, oder gerade deshalb, passt der OST ausgezeichnet zum Spiel und ergänzt die Atmosphäre gut.

Fazit



Zurück zur Eingangsfrage: Ist FF III nur etwas für Fans der Reihe? Aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrads, des unflexiblen (aber nichtsdestotrotz spassigen) Jobsystems und der simplen Story sollte man die Frage wohl mit ja beantworten. Auf jeden Fall ist FF III nicht der zugänglichste Einstieg in eine der grossartigsten Videospielserien auf diesem Planeten. Wer aber jedes Final Fantasy mindestens einmal gespielt haben möchte, kommt nicht darum herum. Am besten greift man aber mittlerweile zur Handyversion, denn einige Onlinefunktionen sind auf dem DS nicht mehr nutzbar.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 22. Juli 2016 um 22:49 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

Ein Gedanke zu „Final Fantasy III

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