Freies Feld

Lady Sia

Von JÁNOS MOSER.

Unbekannte Franchises auf dem Gameboy Advance? Immer her damit. Gut, gibt es Entwickler wie RFX Interactive. Im Jahr 2001, also in den Anfängen der GBA-Ära, als Pessimisten die Remake-Welle schon erahnen, lassen sie eine eine gefährliche Lady vom Regal blicken, welche, blonden Haarschopf und Schwert schwingend, ein wenig an Xena erinnert. Ein neues Gesicht unter lauter alten (schnauzbärtigen)? Toll! Dennoch: Angesichts der eher unschönen Coverbilds bleibt man vorerst skeptisch. Nun gut. Man kann’s ja mal versuchen.

Das Spiel

Die Verpackung sei nicht alles, sagt man. Dann werfen wir einmal einen Blick auf den Inhalt. Die Dame fliegt auf einem Vogel durch die Lüfte, der Titelschriftzug erscheint. Die Musik ist unterer Durchschnitt. Menü, ok, ja, ja. Wie sieht das alles aus? Aha: Lady Sia ist bis in den letzten Strich handgezeichnet. Würde weniger stören, sähe es nicht so grottig aus. Aber wir wollen gnädig sein; so schlimm wie um das Cover des Spiels (oder den Titelbildschirm von Monster World 4) steht es beileibe nicht. Eine kurze, spärlich animierte Introsequenz gibt Einblick in die Story. Das Bestienvolk der T’soas steht vor den Toren eines bedrohten Königreiches. Mittendrin: Lady Sia und einige Abgesandte bei einer Beratung. Wie es sich für Kriegerprinzessinnen gehört, heizt die Lady den lahmen Diplomaten heftig ein, aber die wollen (oder können) nicht. Es kommt, was kommen muss – die taffe Kämpferin wird bei einem nächtlichen Spaziergang von den feindlichen Horden überfallen und in eine Zelle geworfen (warum eigentlich?). Zum Glück hilft uns ein Unbekannter, zu entkommen, und wir dürfen auch schon die Steuerung übernehmen. Fröhlich hacken wir mit dem Schwert drauflos, rennen und springen durch die 2D-Welt. Der Zeichnungsstil ist vielleicht doch nicht so schlimm, immerhin sieht das Dorf recht ordentlich aus. Was man von Lady Sia nicht behaupten kann. Ihre Bewegungen wirken etwas unbeholfen, überhaupt könnte die Steuerung ein bisschen Schliff ertragen. Na ja. Wir erobern unser Jadeschwert zurück, den königlichen Ring, ein paar Spezialangriffe, geht ja alles ganz flott. A, B, Schultertaste, also wie jetzt? Leider lassen sich die Angriffe, einmal nicht einstudiert, nicht mehr nachschauen, oder ich habe etwas übersehen. Wenngleich ein Manko, ist das alles zum Glück nicht so schlimm, denn den einzigen Angriff, den man wirklich braucht, ist das aufladbare Magiegeschoss. Hat übrigens mal jemand den Leveldesignern gesagt, dass man Hintergrund- doch bitte von Vordergrundobjekten unterscheiden sollte? Mehr als einmal wird man sich die Zähne ausbeissen, weil man einfach nicht sieht, wo man jetzt landen darf oder nicht. Manchmal erwarten einen einfache Schalterrätsel oder Fahrten in einer Lore. Im Fabriklevel ist gute Reaktionszeit gefragt, sonst fliegt man in den Boden hinein, durch ihn hindurch – was auch immer. Das war aber auch der einzige gröbere Bug, wenn man die Tatsache nicht dazu zählt, dass Lady Sia bei jedem Mehrfachangriff ein Stück nach vorne rutscht und so von Plattformen in den Tod fällt. Die Bosse sind leider eher unspektakulär und langweilig. Liegt das an der seichten Bossmusik oder an den steifen Angriffstaktiken? Die Kriegerin selbst verwandelt sich während dieser Kämpfe in einen mächtigen Yeti, was sehr schick aussieht, leider hat dieses Vieh weniger drauf als die normale Lady. Ein Plus gibt es für die witzigen Hinhalte-Animationen. Lady Sia telefoniert, richtet ihre Haare oder streckt sich, wenn man sie nicht bewegt. Die 23 Level (davon 3 als Bonus) hat ein geübter Spieler leider ca. an einem Tag gesehen; immerhin sind sie abwechslungsreicher als bei Monster World. Dafür konnte MW4 noch mit mehr Waffen und einem Kuschelvieh auftrumpfen.

Fazit

Lady Sia von RXF Interactive stellt sich weder als Griff ins Klo noch als Überflieger heraus. Die Schwächen hindern das Spiel daran, ein ernsthafter Adventure- bzw. Hüpf-Konkurrent im Spieleangebot des GBA zu sein, andererseits war man 2001 nur schon überhaupt froh, ein solches GBA-Spiel zu haben. Damals musste Lady Sia konkurrenzlos gut gewesen sein – aber eben nur, bis die Konkurrenz eintraf.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 31. Oktober 2013 um 15:11 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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