Freies Feld

Hitman: Absolution

Von JÁNOS MOSER.

Brutale Glatzen sind in Mode. Kratos hat es vorgemacht, jetzt bekommen wir mit Hitman: Absolution einen weiteren Killer serviert. Doch halt, war da nicht was? Genau: Agent 47 ist etwas älter als sein griechischer Kumpan. Das erste Hitman-Spiel erschien im Jahr 2000 für den PC. 2002, 2004 und 2006 gab es Nachfolger für die PS2 und Xbox. Rund sechs Jahre nach seinem letzten Auftritt beehrt uns der Mann im schwarzen Anzug erneut. Hat er dazugelernt oder ist alles beim Alten geblieben? Ein lautlos prüfender Killer-Blick wird es zeigen.

Stealth

Um nicht auf die falsche Fährte zu geraten: die God of War– und Hitman-Serien haben ausser dem ähnlichen Aussehen ihrer Protagonisten nicht viel gemeinsam. Neben dem anderen Setting (da das antike Griechenland, dort die moderne USA) unterscheidet sich Hitman von GoW vor allem durch sein Gameplay. Während sich Kratos wütend durch Gegnerhorden schnetzelt, geht Agent 47 elegant und leise vor; wir haben es mit einem Stealth-Game à la Splinter Cell oder Metal Gear Solid zu tun. Eure Waffen sind eine Klaviersaite, schallgedämpfte Pistolen, gezielte Schläge und Fusstritte. Hinzu kommen Verkleidungen, Ablenkungsmanöver oder – als besonders perfide Methode – das Giftmischen. Wie in anderen Spielen dieser Art ist der Handlungsverlauf in einzelne Missionen eingeteilt. In jeder gilt es, eine oder mehrere Zielpersonen auszuschalten. Das zu schaffen ist vor allem in späteren Missionen nicht immer einfach. Die Drogenbosse, Magnaten und Oberbösewichte stecken nämlich zumeist in schwer bewachten Anwesen, Stripclubs und Lounges, umringt von übel aussehenden Schlägertypen (oder Frauen). Um an sie heranzukommen, ist viel Einfallsreichtum gefragt. Zum Beispiel stattet ihr der Küche des Hauses einen Besuch ab, wo ihr den Koch ausschaltet und in einen Schrank steckt. Dann bemächtigt ihr euch seiner Kleidung, um keinen Verdacht zu erregen, und werft Abführpillen in ein Getränk an der Bar. Der erste, der das Pech hat, daraus zu trinken, verschwindet alsbald auf der Toilette, wo ihr ihm auflauert und ans Leder geht. Neben diesen sauberen Methoden gibt es freilich auch unsaubere. Hierfür sind die stärkeren Waffen vorgesehen, die in den Levels verteilt zu finden sind. Die direkteste Möglichkeit – aber auch die schwerste – ist, alles über den Haufen zu schiessen, das sich euch in den Weg stellt. Das Problem dabei: je mehr Leichen euren Weg pflastern, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende ein ganzes S.W.A.T.-Team vor der Tür steht; und spätestens dann ist euer Schicksal besiegelt, denn solange Alarm herrscht, ist es nicht möglich, den Bereich zu wechseln. Obwohl einem also die freie Wahl zwischen brachialem und leisem Vorgehen besteht, bleibt die Klaviersaite und die schallgedämpfte Pistole in neun von zehn Fällen euer bester Freund. So oder so zieht Agent 47 durch sein Vorgehen nach einer Weile die Chicagoer Polizei auf sich und es wird nochmals anspruchsvoller; da kommt es gelegen, dass man sich in manchen Levels in einer Menschenmenge verbergen kann. Die trotz allen Widrigkeiten schiesswütig Gebliebenen kommen durch eine integrierte Bullet-Time-Funktion auf ihre Kosten. Leider ist diese in ihrer Bedienung nicht wirklich optimal und kostet Kraft und Nerven. Spiele wie Red Dead Redemption haben das besser gekonnt. Als taktisches Element kommt in Hitman eine Instinkt-Anzeige zum Zug. Ähnlich wie der Stealth-Modus Batmans lässt Instinkt euch durch Wände sehen und Geräusche orten. Als besonders nützlich erweist sich die Fähigkeit, wenn ihr euch verkleidet an Wachen vorbeischleichen wollt. Ist der Modus aktiv, erregt ihr weniger schnell Verdacht, die Anzeige sinkt dafür auch relativ schnell. Falls ihr auffliegt, bietet sich als letzte Möglichkeit der Faustkampf. Der ist gut gelöst; dank seiner Ausbildung verabreicht Agent 47 schnelle und präzise Schläge, die mit einer bestimmten eingeblendeten Abfolge von Tasten ausgeführt werden.

Einheitsbrei

Die Geschichte von Hitman: Absolution ist weitgehend Einheitsbrei. Ihr verrät wegen einer Frau euren Auftraggeber und trefft auf eine Gruppe von Unterweltbossen, die euch tot sehen wollen. Nebenbei spielt die Agency auch mit gezinkten Karten und am Schluss liegt es wieder mal an euch, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Leider wirken die Protagonisten allesamt nicht allzu sympathisch, darunter der Protagonist selbst, welcher ausser einem Verziehen der Mundwinkel nicht viel draufhat. Manche Storysequenzen sind zudem etwas dürftig erklärt, sodass man kaum mitkommt, was denn nun eigentlich geschieht und warum. Die Technik kann sich hingegen (wie so oft bei PS3-Spielen) sehen lassen, es herrscht ein Farbton, der gut zu einem düsteren Comic passen würde. Die Musik ist ok, aber nicht überragend. Doch all diese Dinge sind auch nicht das wirkliche Problem von Hitman: Absolution. Das wirkliche Problem ist, dass man meint, Ähnliches schon in vielen anderen Stealth-Games gesehen zu haben. Die Geschichte, die Spielmechaniken, all dies verschmilzt mit anderen Genrevertretern, sodass es schwierig ist, zu sehen, wo denn das Spiel wirklich innovativ erscheint. Waren die Vorgänger noch revolutionär, beschreitet Absolution mehr oder weniger altbekannte Pfade. Was man dem Spiel aber zugutehalten sollte, ist die gute Einbildung der Geschichte ins Setting. Sie bleibt ziemlich glaubwürdig und driftet nie (oder nur selten) ins Lächerliche ab.

Fazit

Soll man sich Hitman: Absolution zu Gemüt führen? Ja, wenn man mit Schleichspielen bisher nicht viele Erfahrungen gemacht hat und einen fordernden, aber nicht zu frustrierenden Einstieg ins Genre sucht. Nein, wenn man schon entweder Splinter Cell, Metal Gear Solid und anderes verschlungen hat und auf wirklich frische Neuerungen hofft. Und wer einfach für ein paar Stunden unterhalten werden will? Der sollte zumindest mit Anzügen und Glatzen etwas anfangen können.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 9. September 2013 um 14:20 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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