Freies Feld

Dino Crisis

Von JÁNOS MOSER.

Krisen, wohin man blickt. Der Sommer will nicht kommen, die Wirtschaft schwächelt und mit dem dicken Bauch schafft mans auch nicht mehr die Treppe rauf. Da hat uns ein Spiel wie Dino Crisis gerade noch gefehlt. Oder doch nicht? Capcom ist gut darin, uns Unannehmlichkeiten auf den Hals zu hetzen, die keine sind. Mal sind es die Zombies, mal sind es die Dinos, aber zum Glück sind immer irgendwelche Wissenschaftler an der Misere Schuld, und nicht wir. Inspiriert von damaligen, sehr unbekannten Independent-Filmen wie Jurassic Park, war die Dino-Krise anno 1999 auf der PS1 jedenfalls ein Hit. Ob man heute noch was mit T-Rex anfangen kann oder der Hype spätestens nach dem letzten, grottenschlechten Jurassic Park-Film zu Recht abgeflaut ist, soll ein weiteres Retro-Review zeigen.

Das Spiel

Zusammen mit einem trainierten Spezialteam wird Regina a.k.a. Kampfsau-Superfrau auf einer düsteren Insel in der Nähe eines Geheimlabors abgesetzt. Ziel ist die Infiltrierung des Labors, um … ja, was denn eigentlich? Vielleicht beginnt Dino Crisis ja doch nicht ganz so unvermittelt. Zuerst erfahren wir nämlich mittels einfach gehaltener Textnachrichten, dass ein gewisser totgeglaubter Dr. Kirk auf der Insel aufgetaucht ist und der Agent, der auf die Untersuchung dieses Umstandes angesetzt war, spurlos verschwunden zu sein scheint. Nebenbei wird einer unserer Kameraden bei der Ankunft von einem T-Rex verspeist. Grund genug, die Gewehre auszupacken und Regina mal kräftig drauflosballern zu lassen. Nur schade, dass die Munition so knapp ist und sich auch kein Gewehr im Inventar versteckt. Ja, Dino Crisis ist nicht nur eine ordentliche Portion Resident Evil, manche bezeichnen es gar als RE mit Dinosauriern. Eine schlechte Selbstkopie? Jain. Zum einen lag es offensichtlich nicht im Interesse der Entwickler, Verbindungen zu RE und Jurassic Park zu verhehlen (was spätestens eine „this is like in the movie“-Anspielung beweist), zum anderen bot DC damals genug Neuerungen, um sich von der berühmten Zombiehatz abzuheben. Zum Beispiel ist es trotz ähnlicher Steuerung möglich, mit gezogener Waffe zu gehen (ja, es ist möglich!), und die Kamera hat einiges von ihrer Stur- und Starrheit verloren und folgt den Schritten Reginas in stilvollen, dezenten Schwenkern. Das Inventar bietet, anders als in RE 1-3, mehr Platz für Munition, Verbandszeug und Schlüsselkarten. Die Rätsel machen deutlich mehr Spass und beinhalten neben Kistenverschieben auch das Knacken von einfachen Passwortsystemen mittels Buchstaben- und Zahlencodes. Der wohl grösste Unterschied zu RE besteht jedoch in den Gegnern. Schlenderten die Zombies noch so langsam auf einen zu, als seien sie zu einem gemütlichen Schwatz aufgelegt, sind Raptoren ein gänzlich anderes Kaliber, rennen schnell wie der Blitz und verfolgen den Spieler u.U. gar durch Türen. Da sie ausserdem sauviel aushalten, ist die Munition überdies noch knapper und zumeist ist Flucht angesagt. Theoretisch sitzt das Konzept: schwache Spielerfigur, starke, unberechenbare Gegner, Horror pur. Praktisch scheint es nicht ganz aufzugehen: Dinos und Geheimlabors wollen einfach nicht so recht zusammenpassen und trotz zerstückelter Körper gruselt man sich höchstens über die veraltete Grafik – welche jedoch, fairerweise, die Bewertung nicht schmälern soll. Ein Lob hingegen geht an die Dialoge. Selten hat man so viel tollen Trash gelesen und vom verrückten Wissenschaftler über den Computerfreak bis hin zum kaltherzigen Soldaten hat man alle Klischees bedient. Erstaunlich, dass die Hauptfigur Regina dabei ziemlich gut wegkommt: Sie beweist ein Stück Humor, ist nicht zu draufgängerisch und gar nicht mal so unsympathisch. Zu den Höhepunkten des Spiels gehört zweifelsohne der T-Rex, welcher dem Spieler Nemesis-like das Leben schwer macht. Die Story gewinnt keinen Nobelpreis, Oscar, Golden Globe oder Bambi, doch das Hauptaugenmerkt liegt bei Survival-Horrorspielen ohnehin nicht auf solchen Nichtigkeiten. Trotzdem ist es ein wenig schade, dass man auf eine Zweitfigur mit anderer Perspektive auf das Geschehen verzichtet hat, und der Wiederspielwert sinkt entsprechend. Nach ungefähr acht bis zehn Stunden ist das Abenteuer durch und man lechzt etwas unbefriedigt nach mehr.

Fazit

Survival – selbst die langsamsten Denker haben wohl mittlerweile begriffen, dass Dino Crisis trotz diverser Neuerungen durchaus ein Spiel der alten Schule geblieben ist. Dem heutigen Spieler, der die Wahl zwischen Teil eins, zwei oder drei hat, sei deshalb vor allem dieser erste Teil empfohlen, umso mehr, da das Horrorspielgenre mittlerweile fast ausgestorben ist (die neueren Teile setzten vermehrt auf Action). Trotz einiger Schwächen ist DC gut spielbar, und es soll ja Leute geben, die Dinos mehr abgewinnen können als Zombies.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 30. Mai 2013 um 12:09 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „Dino Crisis

  1. Dem schließe ich mich an! Dino Crisis haben wir damals mit Resi verglichen, nur das es anstatt Untote halt Dinos gab und diese auch noch um einiges agiler waren. Ich meine mich zu erinnern, das der erste Endgegner ein T-Rex war der mich im ersten Stock eines Hauses durch eine Fensterfront angriff. Einfach war das Spiel jedenfalls nicht.
    Der Fakt das ich mich nach 14 Jahren noch daran erinnere spricht für die Qualität.

  2. Pingback: Turok: Evolution | Freies Feld

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