Freies Feld

Shovel Knight

Von JÁNOS MOSER.

Die Gamingwelt reitet auf der Retro-Welle. Ob Mighty No. 9 oder Undertale, der (Indie)markt hat die Sehnsucht der Spieler nach einfacheren Zeiten wieder für sich entdeckt. Doch mit simplizistischer Grafik und Chiptunes ist es nicht getan, und so merkt man vielen dieser Spiele leider an, dass sie nur für das schnelle Geld produziert wurden. Aber es gibt Ausnahmen – und was für welche! Shovel Knight (2014) von Yacht Club Games ist auf den ersten Blick nur ein weiterer Smartphone-Plattformer mit Pixelgrafik. Ein zweiter Blick enthüllt jedoch ungeahnte Tiefen. Wie das kommt? Nun, erst einmal zu den Zutaten: Die simple Geschichte handelt vom titelgebenden Protagonisten, der seine Kumpanin Shield Knight aus den Fängen einer bösen Zauberin befreien will. Seine Waffe ist selbstredend die Schaufel, mit der er nicht nur Schätze aus dem Erdreich gräbt, sondern auch Feinde ins Jenseits befördert oder Abgründe überwindet. Mit dieser Allzweckwaffe im Gepäck hüpft man durch abwechslungsreich designte 2D-Level, die unweigerlich an Mega Man erinnern. Genau wie bei Mega Man muss am Ende des Levels jeweils ein Boss besiegt werden, der seine eigene Palette an Fähigkeiten und sein Thema hat (Mole Knight, Propeller Knight, Specter Knight … usw.) Zu den einzelnen Levels gelangt man über eine Weltkarte, die wiederum Mario Bros. 3 entlehnt ist. Die Stages können in beliebiger Reihenfolge gespielt werden; nach und nach wird so der Weg zum Turm der bösen Zauberin freigeschaltet. Daneben gibt es auch ganze Dörfer in der Seitenansicht zu erkunden, in denen man Schwätzchen hält, Upgrades kauft und Minispiele spielt. Diese Dörfer haben ihre Inspiration deutlich aus Zelda 2. Zu guter Letzt kommt einem bei den erwerbbaren Sekundärwaffen sofort Castlevania in den Sinn; die Angriffe werden sogar mit derselben Tastenkombination (Angriff + Oben) ausgelöst. Man sieht also, Shovel Knight hält sich mit seinen Inspirationsquellen nicht hinter dem Berg. Das Erstaunliche daran ist nun aber, dass die Mischung so gut funktioniert, dass man glaubt, ein verlorenes NES-Meisterwerk in den Händen zu halten, das den Grundstein für eine eigene, langlebige IP gelegt hätte. Das liegt vor allen Dingen am Detail- und Ideenreichtum des Spiels. Während viele auf „Retro“ getrimmte Games nicht viel mehr als ein Walking-Simulator im Pixelgewand sind, hat Shovel Knight viel Fleisch am Knochen: sei es das durchdachte Leveldesign mit seinen vielen Fallen und Abgründen, die unterhaltsamen Dialoge oder das teils absurde Gegner- und NPC-Design, das dem Ideenreichtum eines Super Mario World in nichts nachsteht. Wer auch nur einmal in seinem Leben einen Plattformer gespielt hat, wird sich bei Shovel Knight sofort zuhause fühlen. Überall, wo es nötig ist, fühlt sich das Spiel zudem genügend modern an: So ist beispielsweise die Steuerung präzise genug, um keine Frustanfälle auszulösen, und der Schwierigkeitsgrad liegt etwa auf dem Niveau eines kniffligen SNES-Titels (also keine unfairen Tode). Der durchgehende NES-Stil des Spiels wirkt so durchaus stilisiert, aber nie aufgesetzt. Wenn man dem Spiel etwas anlasten könnte, wäre es vielleicht die Nutzlosigkeit mancher Rüstungs-Upgrades und Sekundärwaffen. Ein geübter Spieler kommt auch problemlos ohne diese durch das Spiel; besonders bei den Bossen ist oftmals einfach Buttonsmashing angesagt. Die besondere Stärke von Shovel Knight sei aber zum Schluss erwähnt: Der Soundtrack gehört sicherlich zum Besten, was es in den letzten fünf bis zehn Jahren an Videospiel-OSTs gegeben hat.
Nebenbei sind mittlerweile zwei gratis DLC-Kampagnen erschienen, wovon eine (Specter of Torment) ein fast eigenständiges Abenteuer darstellt. Und jüngst wurden ein Koop-Modus und gar ein Gender-Swap-Modus hinzugefügt. Wer also auch nur im Entferntesten etwas mit 2D-Games anfangen kann, sollte sich Shovel Knight unbedingt zulegen.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 13. Juni 2017 um 15:00 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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