Freies Feld

Urshurak

Von JÁNOS MOSER.

Aus dem Jahr 1979 stammt Urshurak, ein Fantasy-Epos im Stil von Lord of the Rings. Das Titelbild zeigt einen strahlenden Jüngling, eine bewaffnete Amazone, zwei Zwerge und weitere Kämpfer vor einer orientalisch anmutenden Stadt. Also etwas, das einem beim Gang durch die Bücherbrocky ins Auge fällt, und hey, die zwei Franken sind ja noch zu verschmerzen. Die von Jerry Nichols verfasste Geschichte verdient – wie zu erwarten – hinsichtlich ihrer flachen Charaktere, holzschnittmässigen Handlung und vorhersehbaren Wendungen keinen Nobelpreis. Interessanter sind da schon die rund 16 Farbtafeln und über 80 Illustrationen der Gebrüder Hildebrandt. Der Zeichenstil erscheint seltsam vertraut. Ein paar Rechercheminuten bringen Licht ins Dunkel: das wohlbekannte Star Wars-Poster von Episode IV stammt aus ihrer Feder. Urshurak entstand als Ersatzidee der Brüder, die zuvor an mehreren Herr der Ringe-Kalendern gearbeitet hatten und Tolkiens Werk am liebsten ins Kino gebracht hätten. Da die Rechte nicht in ihrem Besitz waren, musste eben eine andere Idee her, und so schufen sie das Land Urshurak, das in mehr als nur einer Hinsicht eine Hommage an Mittelerde darstellt. Gollum heisst hier „Oolu“, Mordor („Golgorath“) liegt im Norden und statt Sauron bekämpfen die Helden den dunklen Herrscher Torgon. Gandalf ist als Elgan vertreten, inklusive weiss schimmerndem Bart. So wenig Hehl Urshurak von seinen Wurzeln macht, so dient auch die Geschichte weniger dazu, etwas Eigenständiges darzustellen, vielmehr als Vehikel für die entworfenen Zeichnungen. Diese können sich in ihrer andersweltlichen Pracht wirklich sehen lassen und gehören mit zum Besten, was die Fantasy-Illustration so hervorgebracht hat. Einen schalen Nachgeschmack hat die dünne Geschichte trotzdem – vermutet man beim Anblick der Bilder Grosses, so wird dieser Eindruck spätestens beim Lesen der ersten paar Kapitel zerstört. Urshurak ist die Vorstellung zweier Zeichner und der beste Beweis dafür, dass hinter all der eskapistischen Schönheit solcher Bildkunst eben doch nur flache Denkkonzepte stecken, wie sie SF und Fantasy so zuhauf hervorgebracht hat. Aber man will ja mal nicht den Miesepeter spielen:

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 30. März 2015 um 15:49 veröffentlicht. Er ist unter Gedanken abgelegt und mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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