Freies Feld

Dracula Untold

Von JÁNOS MOSER.

Zuerst Twilight, dann das: Der Prinz der Finsternis wird zum liebevollen Familienvater verwurstelt. Doch halt: Irgendwie sieht der neue Blutsauger in Dracula Untold aus, als sei er einem Castlevania-Game entsprungen. Und zwar direkt aus Lords of Shadow, der jüngsten Serie rund um Konamis berühmte Gothic-Saga. Der Trailer verspricht ausserdem einen Schuss Historik mit seinen Schlachten und Invasionen. Ist es das, worauf sich alle Vampirjünger gefreut haben?

Janitscharen

Wenn es der Film mit Fakten auch nicht allzu genau nimmt, steckt tatsächlich ein bisschen Geschichte in Dracula Untold. Vlad Tepes, Sohn des Drachen und Vorbild von Bram Stokers Dracula, entdeckt Spuren von türkischen Spähern in seinem Lande. Beunruhigt stapft er mit seinen Recken in eine dunkle Höhle, in der – Überraschung! – ein gefrässiges Monster haust. Nochmals mit heiler Haut angekommen, muss er daraufhin erfahren, dass die Türken ihren Tribut fordern: Tausend Jünglinge, darunter Vlads Sohn, will der Sultan für seine Janitscharenarmee ausheben, oder es geht Transsilvanien an den Kragen. Das kann der Vater – in ein paar eingestreuten Szenen liebevoll im Kreis seiner Familie gezeigt – natürlich nicht zulassen und er macht dem Sultan einen Strich durch die Rechnung. Das nehmen ihm wiederum die Türken übel, und so beginnt eine grosse Invasion, die nur eine ausgebildete Armee oder aber übermenschliche Kraft retten kann. Wie zu erahnen, entscheidet sich Vlad für letzteres und schliesst einen Pakt mit dem Monster in der Höhle. Und wie abzusehen, hat dieses Bündnis seinen Preis …
Die ersten Szenen stimmen schon mal gnädig: Endlich werden Vampire mal wieder so gezeigt, wie sie sind – blutrünstig und gefährlich (sind die das überhaupt?). Nach dem vampirischen Pakt mutiert Vlad zum Superman unter den Fürsten und metzelt die Gegner im Alleingang reihenweise nieder. Zugegeben sieht das ganz cool aus, und Luke Evans kann es stellenweise gar mit Kratos und co. aufnehmen. Eine Game-Adaption wäre vielleicht gar kein Unsinn – aber stimmt, da ist ja schon Castlevania. Die Parallelen zur Reihe sind wirklich unübersehbar: Nicht nur ist Evans Gabriel Belmont wie aus dem Gesicht geschnitten, auch seine Ehefrau Mirena (Sarah Gadon) gleicht Marie in ihrer Rolle als gutes Gewissen bis aufs Haar. Das macht jemandem, der LoS gespielt hat, den Filmplot zu einem ausgetretenen Pfad. Aber auch solche, die noch nie etwas von Castlevania gehört haben, werden kein noch so altes Filmklischee vermissen. Da ist der Vater, harter Krieger und Unschuldslamm in einem, da ist das reine Kind, der mahnende Priester, der kriecherische Diener des dunklen Meisters, der Endkampf gegen den Heerführer. Die Nebencharaktere bleiben so blass, dass man sie fast nicht auseinanderhalten kann. Oh well. Spass macht der Film irgendwie trotzdem. Behelfsmässig hat man eine Zwischenstufe des Vampirismus eingeführt: Zwar erhält Vlad nach dem Trinken des Vampirbluts (prosit) dunkle Kräfte, wird aber erst zu einem echten Vampir, wenn er dem Drang, Blut zu trinken, innerhalb von drei Tagen nachgibt. Na ja. Zu den besten Szenen gehören natürlich die Schlachten und die Abenteuer in der Vampirhöhle. Das einzige, was ich wirklich vermisse, ist, wie schon bei LoS, die von Michiru Yamane komponierte barocke Musik, die einfach teuflisch gut in diese Szenerie passen würde.

Solide

Dracula Untold geht den historischen Spuren Draculas nach und liefert dabei einen soliden Actionfilm ab (hat eigentlich jemand eine Doku erwartet?). Der Film kann dabei in noch so viele Klischee-Fettnäpfchen treten, als langjähriger Castlevania-Fan muss man ihn einfach gesehen haben. Wer barocke Klänge will, muss sich allerdings mit Bach, den frühen CV-OSTs oder aber verschiedenen alten Horrorfilmen, zum Beispiel A Return to Salem’s Lot (1987) oder The House by the Cemetery (1981) begnügen.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 16. Oktober 2014 um 12:48 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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