Freies Feld

Baldur´s Gate: Dark Alliance I & II

Von JÁNOS MOSER.

Die Baldur´s Gate-Reihe ist eine der populären Grössen, wenn es um Dungeons & Dragons-basierte Rollenspiele geht. 1998 erschien der erste Teil auf dem PC. Dem Pen & Paper-Spiel nachempfunden, bewegt der Spieler bis zu sechs Charaktere durch die Landschaften der Forgotten Realms und geht auf Monster- Quest- und Schätzejagd. Die Charaktere steigen im Level, trinken Tränke, lernen Zaubersprüche, plappern … das alles kennt man aus den vielleicht sogar noch bekannteren Konkurrenzprodukten wie Diablo. Baldur´s Gate wurde nichtsdestotrotz ein Erfolg und weitere Ableger liessen nicht lange auf sich warten, darunter solche mit blosser Familienähnlichkeit wie Planescape oder Icewind Dale. Nachdem im neuen Jahrtausend die PS2 zu einer der meistverkauftesten Konsolen aller Zeiten aufgestiegen war, liess man es sich nicht nehmen, zwei Spiele für solche zu entwickeln, die sich von ihrem Fernseher nicht trennen wollten: Baldur´s Gate: Dark Alliance I & II.

Baldur´s Gate: Dark Alliance


Als das erste Dark Alliance-Game erschien, wusste der geneigte Konsolenspieler wohl noch nicht wirklich, was ihn erwartete. Bisher gab es ja auch nichts Vergleichbares auf der Konsole. Der geneigte PC-Spieler ging wohl anders an die Sache ran … aber zunächst werden wir die Perspektive des Nichtsahnenden annehmen. Was bietet Dark Alliance? Das Abenteuer beginnt in einer Schänke. Wir können zwischen drei Klassen wählen: Mensch, Zwerg, Elfin. Leute mit Identifikationsproblemen entscheiden sich wohl erst einmal für den Menschen. Zaghaft unternimmt man de ersten Schritte. Im Keller der Schänke soll laut Auftraggeber eine Rattenplage herrschen. Also nichts wie ran und die Viecher ausgerottet. Wir beginnen das erste Quest (den ersten Quest?) mit einem mickrigen Zahnstocher als Waffe. Der Keller erweist sich als waschechtes Dungeon mit verwinkelten Gängen und Zimmern. Systematisch (oder auch nicht) durchstreifen wir jeden einzelnen Winkel dieser Katakomben und nehmen Ratte um Ratte aufs Korn. Das Kampfsystem ist so simpel wie leicht zu bedienen. Ein Knopf zum Schlagen, ein Knopf zum Verteidigen, dazwischen einen Zauberspruch loslassen. Mit der richtigen Taktik lässt sich auch getrost ohne Magie auskommen: Im Prinzip kann man jede Bestie erledigen, indem man kurz hinrennt, draufhaut und wieder wegrennt (und das Ganze tausendmal wiederholt). Sollte die Lage mal prekär werden (und das wird sie nicht aufgrund der ausgeklügelten KI, sondern wenn fünf oder mehr Gegner auf einen zustürmen), helfen zum Glück die Heiltränke. Ist die erste Aufgabe geschafft, geht es wieder in die Schänke, wo weitere Aufträge warten, die einen noch tiefer in den Keller führen. Mit jeder Ebene, die wir hinabsteigen, wird es dunkler und dunkler, die Untoten kommen aus ihren Gräbern gekrochen, bösartige Echsen tauchen auf … landen wir am Schluss gar in der Hölle selbst? Nicht wirklich: Die einzelnen Gebiete erweisen sich eher als abwechslungsarm und man hat trotz Teleportationen in verschiedene Gefilde schnell alles gesehen. Sollte man trotzdem einmal verloren gehen, gibt es zum Glück die jederzeit abrufbare Minikarte. Dafür gibt es nette Waffen, viel Gold und Tränke zu sammeln. So viel, dass wir nach einer Weile Probleme mit dem Inventar bekommen und wir Dinge wegwerfen müssen. Wünschenswert wäre ein unendliches Inventar gewesen – aber man kann ja nicht alles haben. Wie üblich ist es nach jedem Levelanstieg erforderlich, an ein paar Attributen des Charakters herumzuschrauben, aber die Möglichkeiten halten sich relativ in Grenzen. Der Hauptreiz des Spiels liegt darin, immer bessere Waffen zu finden, teils mit magischen Fähigkeiten ausgestattet. So gut sich der Baldur´s Gate-Veteran mit der ganzen Sache zurechtfindet, so schnell wird er zu meckern haben. Denn für ein PS2-Spiel scheint Dark Alliance erstaunlich rückständig zu sein. Nur drei Klassen? Nur ein Spielcharakter? (Gut, zwei, wenn man den Mehrspielermodus hinzurechnet). Nur so wenige Zaubersprüche? Keine grossen Modifikationsmöglichkeiten der Waffen? Es ist so, wie es klingt: In Sachen spielerischer Freiheit bewegt sich Dark Alliance auf Diablo 1-Niveau – und das Spiel ist alt, sehr alt. Da hatte man bereits in Baldur´s Gate II mehr Gestaltungsmöglichkeiten! Allerdings gibt es auf der PS2 einen Pluspunkt, und das ist der bereits erwähnte Mehrspielermodus. Nichts macht nämlich mehr Spass, als zu zweit die Dungeons nach Monstern zu durchpflügen und sich um Tränke und Ausrüstungsgegenstände zu streiten. Sowas boten die anderen Spiele nur im Online-Modus – und manche (darunter ich) waren nie Fan von Onlinemodi.

Dark Alliance II

Hat man den ersten Dark Alliance-Teil gespielt, kennt man auch den zweiten Teil – oder? Die Unterschiede sind marginaler, aber löblicher Natur. Endlich gibt es mehr und neue Charakterklassen, darunter Nekromant und Dunkelelf, und Knotenpunkt des Spiels ist (zu Beginn) nicht mehr eine leidige Schänke, sondern die Stadt Baldur´s Gate. Ausserdem kann man endlich mithilfe von Runen seine Waffen verbessern und mit verschiedenen nützlichen Eigenschaften ausstatten. Dasselbe gilt für Ringe, Amulette oder Rüstungen. Der neue spielerische Freiraum tut dem Spiel gut. Auch die Abwechslung: Jetzt bekommt man auch Sumpfschlösser oder verschneite Berge zu Gesicht. Es gibt mehr Sidequests und Orte, ja, Dark Alliance II ist überhaupt um Einiges umfangreicher als sein Vorgänger. Manche Bosse sind schon recht zäh – oder es kam mir nur so vor, weil ich aus der Übung war? Egal. Obligatorisch mit dabei ist erneut der Mehrspieler-Modus, und er macht so viel Spass wie eh und je. Der Rest ist in etwa gleich geblieben, auch die dümmliche KI, die einem aber zugegeben schon manchmal zum Glück den Frust erspart. Die aufgezählten Punkte sind für den Baldur´s Gate II-Verwöhnten natürlich immer noch zu wenig. Wo bleibt die Sechsertruppe? Wo die Entwicklung der Charaktere mit ihrer Geschichte und Persönlichkeit? Wer solche Dinge sucht, ist mit Dark Alliance II jedoch falsch beraten. Das Spiel ist, wie bereits sein Vorgänger – wie sagt man so schön? – „Straightforward“.Wem so etwas liegt und sich noch keine PS3 leisten wollte (oder konnte), dem seien die beiden Spiele ans Herz gelegt. Beide? Aufgrund der kleinen Erweiterungen und Verbesserungen würde ich vor allem zum zweiten Teil raten.

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Dieser Beitrag wurde von Yoshi geschrieben und am 3. Dezember 2012 um 16:12 veröffentlicht. Er ist unter Reviews abgelegt und mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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